Du bist trans* und hast keinen deutschen Pass?

Du willst einfach du selbst sein? Hier erfährst du, was du wissen musst.

Du bist trans*

Das heißt: Dein Geschlecht passt nicht zu dem, was bei deiner Geburt in die Papiere geschrieben wurde.
Vielleicht steht dort „weiblich“, aber du fühlst dich als Junge.
Oder es steht „männlich“, aber du fühlst dich als Mädchen.
Oder du fühlst dich ganz anders; weder nur als Mann noch nur als Frau.
Das ist okay. Du bist okay. Dein Körper gehört dir.
Deine Identität ist echt; auch wenn deine Dokumente etwas anderes sagen.

Deine Situation in Deutschland

Wenn du keinen deutschen Pass, keine Aufenthaltserlaubnis oder keine anerkannte Flucht hast, hast du nicht denselben Zugang zu allen Rechten und Leistungen.
Aber: Du bist trotzdem ein Mensch mit Rechten; auch ohne Aufenthaltstitel.

Hier steht, was realistisch ist:

Du hast Grundrechte; auch ohne Papiere

Auch ohne Aufenthaltstitel gilt:

  1. Du hast das Recht auf Würde und Respekt.
  2. Niemand darf dich wegen deiner Geschlechtsidentität beleidigen, bedrohen oder angreifen.
  3. Wenn du Gewalt oder Diskriminierung erlebst (in der Unterkunft, auf der Straße oder beim Amt), kannst du dich an die Polizei, Beratungsstellen oder Antidiskriminierungsstellen wenden.
  4. Du darfst immer nach einer Übersetzer*in fragen, wenn du Deutsch nicht verstehst.

Die wichtigsten Gesetze, die dich schützen:

  1. Grundgesetz (Artikel 1: Würde des Menschen, Artikel 3: Gleichbehandlung)
  2. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Diese Gesetze gelten in Deutschland für alle; auch für Menschen ohne deutschen Pass.

Du darfst deinen Namen und dein Pronomen selbst wählen

Du brauchst dafür keine Erlaubnis.
Du kannst Freund*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und Unterstützer*innen sagen, wie du genannt werden willst.
Die meisten queeren Organisationen, Schulen und Beratungsstellen respektieren deinen Namen und dein Pronomen; auch wenn es (noch) nicht in deinen Dokumenten steht.

Aber wichtig:
Ämter (z. B. Ausländerbehörde, BAMF, Polizei) müssen deinen offiziellen Namen aus dem Pass benutzen.
Du kannst sie aber bitten, deinen gewünschten Namen zusätzlich in deinen Akten zu vermerken („gewählter Name: ___“).

Medizinische und psychologische Unterstützung

Wenn du keine Krankenversicherung oder keinen legalen Status hast, kannst du trotzdem medizinische Hilfe bekommen.

Es gibt folgende Möglichkeiten:

  1. Medibüros / MediNetz: Freiwillige Netzwerke, die Ärzt*innen vermitteln, die kostenlos oder sehr günstig behandeln; auch ohne Versicherung.
  2. Psychosoziale Zentren für Geflüchtete und Überlebende von Folter: Sie bieten psychologische Betreuung, oft mit Übersetzung.
  3. Queere Beratungsstellen: Viele arbeiten mit trans*-freundlichen Ärzt*innen zusammen.
  4. Krankenhäuser: Müssen dich im Notfall behandeln; auch ohne Papiere.

Wenn du Hormone brauchst oder medizinische Transition planst:

  1. Sprich mit einer queeren Beratungsstelle. Sie kann dir helfen, Ärzt*innen zu finden, die dich respektvoll behandeln, auch ohne Versicherung.
  2. Es gibt Spendenfonds oder Ratenzahlungen für Menschen ohne Versicherung.

Geschlechtseintrag und Namensänderung

Mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) kannst du in Deutschland deinen Namen und Geschlechtseintrag ändern.
Aber: Das geht nur, wenn du rechtmäßig in Deutschland gemeldet bist (z. B. mit Aufenthaltserlaubnis oder Duldung).

Wenn du keinen Aufenthaltstitel hast:

  1. Du kannst den Eintrag noch nicht offiziell ändern.
  2. Du kannst aber schon jetzt sozial und öffentlich mit deinem richtigen Namen leben.
  3. Sobald du anerkannt bist, kannst du die Änderung nachholen.

Wenn du Rassismus oder Gewalt erlebst

Viele trans* Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung erleben mehrfache Diskriminierung; wegen Hautfarbe, Sprache oder Herkunft.
Das ist Realität. Aber es ist nicht deine Schuld.

Wenn du Rassismus, Gewalt oder Transfeindlichkeit erlebst:

  1. Du kannst dich an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wenden.
  2. Du kannst um sichere Unterbringung bitten, wenn du in einer Unterkunft bedroht wirst. Queere Organisationen unterstützen dich dabei.

Asyl und Schutz als trans* Person

Wenn du in deinem Herkunftsland wegen deiner Geschlechtsidentität bedroht, verfolgt oder bestraft wirst, kannst du in Deutschland Asyl beantragen.
Das ist dein Recht nach der Genfer Flüchtlingskonvention.

Wichtig:

  1. Erzähl in deinem Asylverfahren deine Geschichte so ehrlich wie möglich.
  2. Erkläre, warum du als trans* Mensch in deinem Land nicht sicher leben kannst.
  3. Bitte das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um eine Person, die sich mit trans* Themen auskennt.
  4. Du kannst auch eine Vertrauensperson oder Unterstützer*in zur Anhörung mitnehmen.
  5. Wenn dein erster Asylantrag abgelehnt wurde, kannst du einen Folgeantrag stellen, wenn deine trans* Identität damals noch nicht bekannt war.

Wenn du keine Papiere hast, such dir Hilfe bei:

  1. Flüchtlingsrechtsanwält*innen
  2. Queeren Beratungsstellen
  3. Refugee Law Clinics (an vielen Universitäten)

Du bist nicht allein

Viele trans* Menschen in Deutschland leben ohne Anerkennung, ohne Papiere, ohne Versicherung und trotzdem kämpfen sie jeden Tag dafür, sie selbst zu sein.

Du bist nicht unsichtbar. Du bist stark.

Du hast das Recht, sicher zu leben; mit Würde und Respekt.

Wir glauben dir. Wir sehen dich. Wir stehen an deiner Seite.

Wichtige Kontakte

  • Medibüro / MediNetz für ärztliche Hilfe ohne Versicherung
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes für Schutz bei Diskriminierung
  • Psychosoziale Zentren (PSZ) für Psychologische Hilfe und Traumatherapie
  • Queere Organisationen­ für Psychosoziale Beratung­
  • Polizei unter 110 bei Gewalt

Lilith Raza